Stillleben
Wir sehen Sand.
Leicht feucht – es hat geregnet.
Blätter und Eicheln, vereinzelt noch
Der Herbst geht zum Winter über.
Wir verändern den Blick,
„zoomen“ heraus, kameragleich.
Eine Schaukel,
dort hinten eine Wippe
(kommen ins Bild).
Wind, nur leicht
– wie die letzten Ausläufer
eines kaum ausgebrochenen Sturms –
weht durch Gräser,
die büschelweise
vereinzelt
im Sand sprießen.
Ein Spielplatz im Spätherbst.
Die Zeit fröhlichen Lachens
glücklicher Kinder
ist vorbei.
Aus dem Augenwinkel
nehmen wir rechts
eine Bewegung wahr.
Ein kleiner Ball rollt
wie von Geisterhand
ins Bild.
Man sucht vergeblich das Kind,
dass mit ihm zuletzt
gespielt hat.
Betrachtet man das Bild aus gewisser Distanz,
so ist man sich nicht sicher
ob sich hier wirklich gefreut wurde
oder nicht einfach alles nur ein Traum,
ja Wunschvorstellung war.
Das Kind ist weg,
der Ball allein
und vielleicht war es
auch der Wind
und nie ein Kind,
der den Ball stets antrieb
und bewegte.
Aber auch dieser Windstoss
ist längst weitergezogen.
alter wolf
war auf der jagd.
mit worten
stimme
und gesten
wohl überlegt!
nie überlegen
langsam
nie träge
ließ nie flüchten
nicht nötig
doch:
statt zu fassen
rückzug? – atemzug! – zum atmen!
doch für wen?
soll er?
(audio)
Der Kröte verfallen
Seit ich lesen kann, interessiere ich mich – hervorgerufen durch das sehr schöne Buch Balladen für Kinder von Lutz Görner – für Gedichte und Balladen (hat nichts mit den Akustikgitarrenschmuseschnulzen diverser Langhaarbands zu tun). Bis auf wenige aktive Ausnahmen beschränkt sich dies jedoch eher auf die passive Begeisterung aka (laut) lesen.

Im Rahmen der Vorbereitung und Sichtung von geeigneten Texten für ein Liebesgedichte-Hörbuch bin ich vor gut zwei Jahren auf das (kreativer Titel ahead) „Liebesgedicht“ des deutschen Satirikers Robert Gernhardt gestoßen, welches seitdem zu meinen Lieblingsgedichten gehört.
Nun hat sich eine Kröte in den Lichtschacht des Kellers verfallenlaufen und Gernhardts Text kam mir (ebenso wie ein netter Techno/Electro-Sampler von 1994) bei Anblick dieser wunderschönen Bufo Bufo direkt wieder in den Sinn:
„Kröten sitzen gern vor Mauern
wo sie auf die Falter lauern.
Falter sitzen gern an Wänden,
wo sie dann in Kröten enden.
So du, so ich, so wir.
Nur – wer ist welches Tier?“
Robert Gernhardt – Liebesgedicht
sechsundachzig
dinge!
er wartet…
dann da
auch wenn erwartet
und nicht anders
nicht einfach
nicht leicht
doch… klar
Zweisam ist besser als einsam…?! Sicher?!
Irgendwann im letzten Jahr ist es geschehen. In der Wohnung einer Freundin machte sich Gottfried breit. Und er scheint sich wohl zu fühlen. Ob dies die unfreiwillige Herbergsmutter auch so sieht?!
Nach einem etwa einjährigen Zwischenhalt bei Myspace findet man die Zwiegespräche der besonderen Art seit heute auf Herrgottfriednochmal! Lesenswert – wie auch die anderen Texte Sina Wartmanns. Mein Highlight auf DIN2711: ZKM.

